Karte und aktuelle Statistik: Covid-19 im Rheinland

Corona/Covid werden uns noch weiter begleiten, und interessant ist für uns Bürger vor allem der regionale Überblick über die Lage. Hier eine auf das Rheinland fokussierte Version der bekannten Esri-Karte. Sie führt die leicht divergierenden Statistiken von Risklayer und RKI zusammen, man kann sie auch frei „durchklicken“, um Statistiken für einzelne Städte und Regionen abzurufen (Umschalten: ganz unten, die drei Punkte).

Daten zu spezifischen Orten ruft man entweder über „mit der Maus ziehen und klicken“ ab oder über die Suchmaske: Da muss man allerdings nach dem Namen des Kreises suchen, nicht nach Ortschaften (Ausnahme: kreisfreie Städte/ Großstädte). Voreingestellt ist die Karte auf den Rhein-Sieg-Kreis. In der Navigationszeile ganz unten lässt sich zwischen Karte und Tabelle hin- und herschalten.

Wer es bis auf Dorfebene hinunter wissen will, findet die Daten zum Beispiel hier (wieder voreingestellt auf Rhein-Sieg-Kreis)-

 

 

 

Nachgerechnet: Zahlen machen komatös

Seit ich vor rund 30 Jahren angefangen habe, in einer Redaktion zu arbeiten, komme ich täglich in den Genuss von „PR“. Das ist kurz für „Public Relation“ und fasst unter anderem die Info-Kommunikation zwischen Firmen oder Behörden einerseits und Medien oder Öffentlichkeit andererseits zusammen. Aus unerfindlichen Gründen ist PR eine Nische der Medienberufe, in der mitunter deutlich üppigere Gehälter zu holen sind als in der redaktionell arbeitenden Zunft.

Was infofern manchmal frustrierend ist, als dass die Produktionen der PR oft deutlich weniger Sachkenntnis erfordern als – sagen wir mal beispielsweise – eine Mathe-Klassenarbeit in der siebten Klasse.

Heute erfahre ich z.B. per PR-Aussendung, dass 41% aller Deutschen ihre „Sex-Toys“ mit in den Urlaub nehmen. Wahnsinn!

Und Super-PR, weil die Pressemitteilung lauter „Buzzwords“ enthält, die einer reflexhaften Weiterverbreitung förderlich sind. Genau: „Urlaub“, zum Beispiel. Aber Sex und Urlaub, das ist wie eine Steilvorlage für die etwas dooferen Medien. Wetten, in den nächsten Tagen hört oder liest man diesen Krampf irgendwo?

Denn dass es frei erfundener Krampf ist, erkennt man spätestens dann, wenn man sich ansieht, wie es zu der Zahl von 41% kommt. Denn das ist ganz einfach: weil Urlauber aus den besonders bevölkerungsreichen Bundesländern mit schierer Masse dafür sorgen!

„Drei Bundesländer stechen mit der Passion für Sexspielzeug in der Reisezeit besonders hervor: In Nordrhein-Westfalen landen sie bei ganzen 21 Prozent der Befragten im Koffer, dicht gefolgt von Bayern, die mit 19 Prozent dabei sind und Baden-Württemberg mit 15 Prozent.“

So, liebe PR-Mathe-Asse: Wie kommt man dann am Ende auf insgesamt 41%, wenn die Spitzenreiter nur bei höchstens 21% liegen? Hebt da am Ende Bremen noch was? So im 470%-Bereich? Nehmen die dann ganze Koffer voller Dildos mit?

Quatsch, natürlich nicht, ist doch ganz einfach! Mit dem ZaMaKo-Effekt der PR: „Zahlen machen komatös“, das weiß man doch, deshalb kann man die langweiligen Dinger einfach im Zufallsverfahren in Texte fallen lassen. Liest ja eh keiner!

Und wenn doch mal so ein Klugscheißer nachzählt, sieht man ja auch, dass die Favoriten wie versprochen über 41% liegen: 21 + 19 + 15 = 55. Also mehr als 41. Geht doch.

Huch! Ich glaube, jetzt muss ich echt aufpassen. Hab ich mich da gerade als Seniour Account Manager qualifiziert?

 

Intelligente Werbung. Ein Drama in unendlich vielen Akten.

1. Akt

Ort: Schreibtisch, 15. 6. 2020, 14:23 Uhr.

Kunde: „Och, der Helm ist ja chic. Den kauf ich!“ (klickendes Geräusch)

Intelligenter Marketing-Algorithmus: „Hey, der mag Helme, will Helme, braucht Helme! Ich zeig ihm Helme, Helme, Helme! Wo auch immer er ist, wo auch immer er hingeht: Helm, Helm, Helm!  Und noch ein Helm! Und noch einer! Kann man nie genug von haben! Helm!“

2. Akt

Ort: Schreibtisch, 17.12.2020, 15.32 Uhr.

Kunde: „Och, der Cocktail-Mixer da neben der Helm-Werbung ist ja cool. Ich brauch noch ein last-minute-Geschenk. Ich glaub, das Ding kauf ich!“ (klickendes Geräusch)

Intelligenter Marketing-Algorithmus: „Hey, der mag Mixer, will Mixer, braucht Mixer! Ich zeig ihm Mixer, Mixer, Mixer! Wo auch immer er ist, wo auch immer er hingeht: Mixer, Mixer, Mixer!  Und noch ein Mixer! Und noch einer! Kann man nie genug von haben! Mixer! Mixermixermixermixermixer!“

3. Akt

…ich glaube, ist klar, oder?

 

 

 

Blockbuster: Kong, nicht King

Ursprünglich noch 2020, nun erst nächstes Jahr soll ein weiteres Remake im Blockbuster-Format in die Kinos kommen: King Kong gegen Godzilla. Klingt beknackt, wird aber, wenn man den ersten Trailern vertrauen kann, ein weiteres „Städte in Schutt und Asche“-Machwerk allererster Qualität, frei von Sinn, aber angereichert mit irgendwelchem Tiefere-Moral-Schmonzes. Und natürlich Mega-bombastisch, Popcorn-kompatibel usw.

Das Drehbuch steht schon fest: Es ist seit Anfang der 50er-Jahre immer dasselbe. Monster kommt, legt Land in Schutt und Asche, Monster geht. Die Drehbuchvariante 2 wurde schon 1955, ein Jahr nach dem ersten Film, erstmals verfilmt: Monster 1 kommt, legt Land in Schutt und Asche, Monster 2 kommt und haut Monster 1 auf die Glocke, wobei beide gemeinsam das Land in Schutt und Asche legen, Monster geht.

Das hat für bisher drei Dutzend Filme gereicht.

Seit Roland Emmerich Godzilla 1998 eine Green Card besorgt hat, ist die Echse Amerikaner. Die Japaner halten noch dagegen, doch ihre alle paar Jahre veröffentlichten, eher Kinder-kompatiblen Schutt-und-Asche-Monsterfilme können mit dem, was Hollywood uns liefert, nicht wirklich mithalten. Was Schutt angeht, ist das US-Blockbusterkino nicht zu schlagen.

Es soll Leute geben, die das cool finden. Ich gehöre nicht dazu. Ich mag Filme, die mehr als Bumm bieten. Avengers, die US-Godzilla-Filme und all dieser Kram, in dem mit immer unwahrscheinlicheren Action-Käse eine immer noch größere Bedrohung bekämpft wird, ist für mich die blanke, hirnlose Langeweile.  Um noch eine Steigerung der letzten Gigantomanien und einen Ansatz an emotional berührender Handlung hinzubekommen, setzte der letzte Avengers-Film sage und schreibe auf die Auslöschung der Hälfte des Lebens im gesamten Universum. Das muss man mal sacken lassen: 3,5 Milliarden Tote auf der Erde hätten da nicht gereicht, es musste dann doch noch etwas mehr sein. Billiarden, Quadrilliarden, Fantastilliarden. Doofer geht’s kaum noch.

Was eine perfekte Überleitung zu Godzilla ist. Der erste Film von 1954 hatte noch eine unterliegende Idee, die auch politisch Kritik äußerte. Danach wurde die Filmreihe ein Spektakel – und auf erfrischend hirnlose Weise amüsant. Doof auf eine schöne Art. King Kong gegen Godzilla wurde 1962 erstmals verfilmt. Es ist mein Lieblingsfilm der Reihe, vor allem wegen solcher Szenen (hier leider ohne Ton):

Gedreht wurden diese Schinken innerhalb weniger Wochen, wie am Fließband, einer nach dem anderen. Zum King-Kong-Flick kam es, weil jemand aus dem Team in der Kostümkammer ein altes Affenkostüm gefunden hatte. Die paar Mottenlöcher in der alten Requisite fielen kaum auf: Hey, super, dachten sich die Macher um Godzilla-Vater Ishiro Honda, machen wir doch einen King-Kong-Film!

Den kann ich mir auch heute noch mit breitem Grinsen ansehen. Ganz ehrlich, so im direkten Vergleich: was macht mehr Spaß? Digital-Monster oder von Motten angefressene Karnevals-Witzbolde, die sich mit Pappfelsen bewerfen? Ich werde unserem lokalen Kleinkino hier vorschlagen, zum Kinostart des neuen Monster-Massakers stattdessen das Original zu zeigen.

Showdown!