For all the Friends and Relations out West: The Oscar goes to…

Shopping with Pól: „The sea is my supermarket!“

…Pól  and me?

Not quite an Oscar, but a nice certificate at least: the Journalism Award Ireland 2016, an Award presented by the irish tourism agency (ex Board Failte plus Tourism Northern Ireland).

Naturally means a lot to me, since my relation to the island is more than special: I paid Ireland my first visit some 37 years ago, I spent a couple years there and since 1986 I am proud to be part of an irish family as well. All this has shaped me, my views, my feelings and my thinking to quite a degree.

On Wednesday evening Michael Collins, the irish ambassador in Germany, handed me my award.

Him: „Nice certificate! Congratulations!“
Me: „Thank you! I’ll put it up right beside my certificate as an irish whiskey drinker.“
Him: „Yeah?“

He smiled friendly but did not really know what to make of a statement like that.

If he would have asked I could have told him that once upon a time I earned my Whiskey-certificate the hard way: It was well before lunchtime when we landed ourselves in a guided tour round Bushmills Distillery. There was an irish fellow, me and roughly eight Italians. At the end of the tour the inevitable question came up: „Any volunteers?“

Normally the visiting crowd goes havoc on an offer like that. But this particular crowd was italian: Did you ever see Italians drink whiskey? Before lunch?

So when the irish fellow and me shyly lifted our hands we naturally were the only volunteers. Twenty minutes on we were perfectly intoxicated, inebriated, drunk, jared, befuddled, smashed, whatever way you want to put it – did you ever try a whiskey tasting after breakfeast? It’s great, I spend the rest of the day on cloud nineteen.

Pól teaching about sea-foraging: Kelp is great for making crisps.

At this point at the latest his Excellence Mr. Collins would have realized that I well and truly deserved my irish journalism award as well. To get your hands on something like this you not only need a bit of feeling for the country, you need stories to tell as well.

The one I told was about Pól, many of you probably know him. Most of you will not know about the four-year-phase when he vanished though, and that is what the story is about:  How he fell out of his normal life and career, how he retreated to the simple life of fishing and foraging and how, in the end, he healed himself.  While roughing it for four years on Gola, off Donegals coast near Gweedore, this exceptional area became an agenda for Pól as well: Whenever someone is shouting out how beautiful, how worthy to be discovered, preserved and developed Northwest-Donegal is, Póls voice will be the loudest. And if you listen to him, he`ll tell you about the value of a simple, sustainable lifestyle.

For me this became one of the most intense stories I ever worked on. When SPIEGEL ONLINE republished the story one and a half year after its first publication in SPIEGEL Wissen, more than 150.000 people wanted to read it again. It yielded a lot of positive feedback: Did anybody say that „long reads“ don`t work online? Far from it.

I did not manage to get in contact with Pól right after the award ceremony to „warn“ him of his pending renewed publicity. He caught on within hours anyway: The number of his Facebook-friends rose even faster than normal, and a lot of Germans started questioning him about his life as a hermit and what he learned in his years of solitude.

Catch of the day: a young female lobster (foreground, blue: the other young female is mine).

The thing is: he gave that up meanwhile, at least for the time being. At the end of the article he explained that he felt that it was time for him to move on. He tried and applied, and a couple of weeks after Fiona and me visited him on Gola he was invited to Dublin for a job-interview.

It still took a while but in the end he actually made it back to Brussels: Pól is back with the EU-Commission, and they better make the best of the chance they are given to have somebody that witty, funny and altogether positive around. When I last met him last summer he said that sooner or later he would want to go back to Donegal. Save some money, get something started there.

I was very pleased that it was his story that earned me the award, and so is he: „Happy days!“

I promised him a fish-barbecue over here in Germany. Won’t be as good as the fish he caught and put unto the fire back on Gola, but I owe him. And far more than fish: Go raibh maith agat, Pól.

Nature-man: Pól is a connoisseur of Northwest-Donegals beauty, and he is its advocate as well. „This“, he says, „is the best place in the world.“ Might be.

In eigener Sache: …and the Oscar goes to

Pól Ó Muireasáin (Copyright: Frank Patalong)

…Pól  and me?

Naja, nicht ganz, aber eine Urkunde: Der Journalistenpreis Irland 2016.

Ist mir natürlich eine besondere Freude, weil ich zu Irland eine mehr als „special relationship“ habe:  Ich kenne die Insel jetzt seit 37 Jahren, habe mehrere Jahre meines Lebens da verbracht und bin seit 1986 stolz, Teil einer irischen Familie zu sein. Es hat meine Wahrnehmung vieler Dinge, meine Perspektiven und Werte verändert und geprägt.

Am Mittwochabend, 8. März 2017, drückte mir Michael Collins, der Botschafter der Republik Irland, am Rande der ITB die Auszeichnung in die Hand.

Er: „Schöne Urkunde! Gratuliere!“
Ich: „Die werde ich neben meine Auszeichnung als irischer Whiskeytrinker hängen.“
Er: „Ach?“

Lächelte freundlich und wusste  nicht recht, was er mit dieser Info anfangen sollte.

Hätte er nachgefragt, hätte ich ihm sagen können, dass ich mir das Whiskey-Zeugnis dereinst mühsam ertrunken habe: Wir landeten kurz vor Mittag in der Destillen-Führung in Bushmills, ein Ire, acht bis neun Italiener und ich. Am Ende kam dann der Aufruf zum Tasting: „Freiwillige vor!“

Der Witz daran?
Schon mal Italiener Whiskey trinken sehen, und das auch noch  vor 12 Uhr Mittags?

Der Ire und ich sahen uns an, hoben schüchtern die Hand – und waren die einzigen Freiwilligen. Zwanzig Minuten später hatten wir uns tapfer bewährt, waren beide hackestrack und verbrachten den Rest des Tages auf Wolke Neunzehn.

Veranstalter und Preisträger mit Urkunden. Das Foto kommt von Heinz Bück (3. von rechts), Danke dafür!

Spätestens an diesem Punkt wäre seiner Exzellenz klar geworden, dass ich mir den Journalistenpreis Irland tatsächlich verdient habe. Denn um den zu bekommen, muss man Gespür für das Land und natürlich Geschichten zu erzählen haben.

Ich erzählte die Geschichte von Pól und wie er sich durch seinen fast völligen Rückzug ins elementar einfache Leben eines Fischers und Sammlers selbst geheilt hat. Nach einem psychischen Zusammenbruch zog er auf ein unbewohntes Eiland vor Donegals rauer Küste und führte über Jahre ein Leben als quasi freiwillig Obdachloser (wenn man sein Zelt ignoriert). Im Laufe seiner Katharsis fand er erst Ruhe, dann neues Wissen und dann eine Mission: Für diese völlig vernachlässigte, selten besuchte Region zu trommeln und zu werben. Und eine Natur-bewusste, an Nachhaltigkeit orientierte Lebensweise wiederzufinden.

Pól in seinem Element: Pól ist möglicherweise der extrovertierteste schüchterne Mensch, den ich kenne. Als Lehrer und Entertainer ist er Spitzenklasse – man hört ihm gern zu. (Copyright: Frank Patalong)

Es war die vielleicht intensivste Reportage, die ich je geschrieben habe, auch als persönliches Erlebnis. Als wir die jetzt, eineinhalb Jahre, nachdem sie in SPIEGEL Wissen erschien, erneut bei SPIEGEL ONLINE veröffentlichten, lasen noch einmal über 150.000 Leute diesen ellenlangen Streifen, mit überwältigend positivem Echo: Wer hat da behauptet, lange Texte „funktionierten“ Online nicht?

Mir war es leider nicht gelungen, Pól direkt nach der Verleihung zu erreichen und ihn zu „warnen“. Er bekam es trotzdem innerhalb weniger Stunden mit: Die Zahl seiner Facebook-Freunde schoss noch einmal um ein-, zweihundert nach Oben. Heerscharen von Deutschen sprachen ihn auf sein Erimitenleben an und auf das, was er dabei gelernt hat.

Dabei hatte er das mittlerweile zumindest vorerst aufgegeben, nicht lang, nachdem der Artikel erschienen war. Er hatte das in der Reportage ja schon angedeutet: Er fühlte sich geheilt und glaubte, es auch im Berufsleben wieder schaffen zu können.  Ein paar Wochen nach unserem Treffen wurde er erstmals nach Dublin eingeladen, um für eine weitere Runde bei der EU-Kommission vorzusprechen.

Und am Ende hat er es tatsächlich geschafft. Rund ein Jahr nach der Reportage zog er zurück nach Brüssel, er arbeitet nun wieder für die EU-Kommission. Ohne seine eigentlichen Ziele aus den Augen zu verlieren, versteht sich: Mittelfristig will er zurück in die Einsamkeit der Nordwestküste Irlands.

Dass es seine Geschichte war, die mir die Auszeichnung einbrachte, freut ihn, sagt er: „Happy days!“

Ich sagte, dass ich ihm nun aber wirklich ein Fisch-Grillen bei mir im Garten schulde. In Wahrheit, weiß ich, schulde ich ihm natürlich weit mehr als das. Go raibh maith agat, Pól.

(Copyright: Frank Patalong)

Zu früh geboren: Wind verleiht Flügel

Schon einmal was von Freestyle Indoor-Skydiving gehört? Das ist wie Trampolinspringen, nur ohne Trampolin und gern auch mal mit mehrere Minuten dauernden „Flügen“. Solo oder im Verbund zeigen die Sportler Figuren und teils atemberaubende Bewegungsabläufe, während sie quasi schwerelos im Luftstrom eines Mega-Gebläses hängen.

Das ist eine dieser neuen Sportarten, wie sie ein österreichischer Gummibärchen-Aufputschgetränke-Hersteller so gern sponsert. Und diese hier ist zur Abwechslung nicht nur originell, sondern wird von ihren Akteuren sogar überlebt – was man nicht von allen durch RB populär gemachten Sportarten sagen kann.

Am Wochenende liefen an der katalanischen Costa Brava die „Wind Games 2017“. Red Bull hin oder her kann man diesem Sport eine Über-Kommerzialisierung wahrlich nicht vorwerfen. Die höchsten Preisgelder, die Teams gewinnen konnten, lagen bei 7000 Euro. Im Solo-Freestyle-Wettbewerb gab es 1500 Euro zu gewinnen.

Zu den Stars der weiblichen Solistinnen gehört die inzwischen 17-jährige Polin Maja Kuczynska. Im letzten Jahr gewann sie den Weltmeisterinnen-Titel, ihre „Flüge“ finden entsprechend schnell den Weg ins Netz. Das Video zeigt sie bei ihrer Kür, so abgeliefert am Samstag.

Unglaublich oder? Für den Sieg hat es allerdings nicht gereicht, Kuczynska schaffte es aber immerhin auf Platz 3 und gewann so 500 Euro Preisgeld. Dabei sein ist in manchen Sportarten eben alles.

Happy Friends Day: Hey! Ho! Juchuuuu!

Heute vormittag habe ich bei SPIEGEL ONLINE einen kurzen Artikel über den „Friends-Day“ von Facebook veröffentlicht. Der Text hat am Ende eine Pointe: Er zeigt, dass die tanzende Figur, die Facebook seinen Nutzern serviert, im Grunde dafür gedacht ist, die dazu zu bringen, die Datenbasis über eben diese Nutzer händisch zu verbessern.

Im Klartext:

Der Friends-Day ist ein Data-Mining-Trick, der etwas leisten soll, was Facebook mit Algorithmen allein nicht hinbekommt: Zwischen reinen Facebook-Freunden und echten sozialen Beziehungen zu unterscheiden. Also herauszufinden, wer wem besonders wichtig ist, und wer besonders eng mit wem verbunden ist. Es ist ein Tool, das auf die Privatsphäre der Nutzer zielt und versucht, deren Beziehungen besser zu erfassen.

Ich verglich diesen „Freudentänzer“ mit dem Trojanischen Pferd: Ein Ding, das wie ein Geschenk aussieht, aber zum eigenen Vorteil arbeitet.

Wenige Minuten, nachdem der Artikel veröffentlicht wurde, bewarb ihn unser Social Media Team bei Facebook.  Die Kollegen teaserten: „Hinter Facebooks #Friendsday steckt ein perfider Plan, vermutet Frank Patalong.“

Interessant ist, was folgte. Der Post wurde bisher über 520mal geteilt, vor allem aber über 120mal kommentiert. Und fast ausnahmslos bekam ich Haue: Nicht, weil ich auf den Data-Mining-Trick hingewiesen hatte – das scheint den meisten Leuten weitgehend egal zu sein. Sondern weil ich es gewagt hatte, in dem Artikel einen Unterschied zwischen echten und Facebook-Freundschaften zu behaupten.

Man wirft mir nun vor

  • dass ich mich bei Facebook mit Leuten befreunde, die ich nicht kenne
  • dass ich ja nicht jede Anfrage annehmen muss, wenn ich die Leute nicht kenne
  • dass ich alte Hüte verbreite, weil ja jeder weiß, dass ein Facebook-Freund kein echter Freund sei
  • dass ich angeblich eine schlimme Kindheit hatte
  • dass ich „Vollpfosten“ selbst schuld sei, weil ich zuviele Freunde sammele

…und so weiter.

Am niedlichsten sind die, die mich darauf hinweisen, dass ich „im übrigen auch das Video (vor dem Veröffentlichen) ändern und sich die ‚Freunde‘, die drin erscheinen sollen, aussuchen“ könne.

Ja, genau, darum ging es in dem Text. Darum, dass man, wenn man das tut, Facebook hilft, Persönlichkeitsprofile zu schärfen. Data-Mining. Aber sorry, dafür hätte man den Text natürlich bis zum Ende lesen müssen. Was natürlich viel verlangt ist.

Einige wenige helfen mir dann, trotzdem mein Bild vom mündigen Leser zu bewahren.

Nach dem Lesen von zehn Kommentaren muss ich sagen: Manchmal (…)  tut ihr mir leid, dass ihr euch mit so viel schwachsinnigem Themaverfehlungsgelaber rumärgern müsst. Also, mein ernst gemeintes Beileid dazu. Guter Artikel. Danke.“

Nein, Dank zurück. Von ganzem Herzen.